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Pflügen mit Dampfkraft in der Wische

Es war einmal...

 ...eine Maschine, die brauchte nur Feuer und Wasser, um Dampf erzeugen und damit ihre Kräfte entfalten zu können. Über ein Jahrhundert lang bestimmte sie den technischen Fortschritt. Sie trieb Werkzeugmaschinen und Webstühle an, zog lange Züge über die Schienenstränge, half riesigen Schiffen, die Ozeane zu überqueren, und fauchte auf den abgeernteten Feldern beim Pflügen schwerer Böden.

So könnte ein modernes Märchen über die Dampfmaschinen-Zeit beginnen.

Längst sind Dampfmaschinen aus dem allgemeinen Wirtschaftsleben verschwunden, gibt es weder Lokomobilen noch Dampfwalzen mehr, und nur noch einige Dampflokomotiven verkehren planmäßig auf den ostdeutschen Schmalspurbahnen. Die Zeiten, in denen es die Dampfkraft aber auch in der Landwirtschaft gab, sind noch gar nicht so lange her: Hauptsächlich beim Pflügen und Dreschen wurden Dampfmaschinen verwendet. Auch als Antrieb für die Maschinen in Mühlen, Ziegeleien und Sägewerken waren sie üblich. Fast schien es, als sei das alles längst in Vergessenheit geraten... 


Lanz-Dampfwalze
Dreschen
Betrachter

Der Einsatz der Dampfpflüge war in der Altmark auf die Wische konzentriert. Das ist im nördlichen Teil des Landkreises Stendal die Gegend zwischen Osterburg und Seehausen an der B 189 im Westen und der Elbe im Osten, also der nördlichste Zipfel des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Die urtümliche Technologie ist dort bis Anfang der 1960-er Jahre gebräuchlich gewesen. Als ein faszinierendes "Knowhow der Vorväter" soll sie im Folgenden, gestützt auf die Erinnerungen der unmittelbar beteiligt gewesenen Zeitgenossen, noch einmal in Theorie und Praxis Revue passieren.

Zwischen 1993 und 1994 hatte ich als Journalist bei der Osterburger "Volksstimme" die Gelegenheit, zum Thema "Dampfpflügen" vor Ort zu recherchieren und nach und nach zahlreiche Zeitzeugen ausfindig zu machen. Das damals zusammengetragene Material ist in einigen Zeitungsbeiträgen regional veröffentlicht worden.

Im Jahre 1998 erlebte ich in Blumenberg in der Magdeburger Börde diese urtümliche Technik in voller Funktion: Anlässlich des 135. Jahrestages des ersten Dampfpflugeinsatzes in Preußen fand dort ein Schaupflügen statt. Tausende Besucher sahen sich das Spektakel an, das Dank des "Gastspieles" des letzten betriebsfähigen Dampfpflugsatzes vom Agrarbildungszentrum Schönbrunn aus Landshut (Bayern) vom "Blumenberger Kultur- und Karnevalsverein" organisiert werden konnte.

Ich bedanke mich für die Bereitstellung von Bildmaterial neben den im Text erwähnten Leihgebern auch bei Hildegard Gärtner, Seehausen, und beim Osterburger Kreismuseum.

Wenn Ihnen die Seiten gefallen haben, freuen ich mich über einen Eintrag ins Gästebuch. Für den direkten Kontakt mit mir, insbesondere für Anregungen und weiterführende Informationen, steht Ihnen unser Mailformular zur Verfügung.

Ich suche immer nach Material (auch leihweise), um meinen Fundus ergänzen zu können. Wenn Sie mir helfen möchten, dann schreiben Sie mir!

Aktuelles

Calberwisch 2009

Wieder Dampfpflüge in der altmärkischen Wische!

Am 29. und 30. August 2009 wurde das 1. Dampfpflugfest in Calberwisch bei Osterburg veranstaltet. Hier lesen Sie mehr...

Publikationen

Titel
Titelbild: Abfahrbereiter Zug nach Goldbeck

Bf Werben

Dampfpfluglok

Im Graben

VBN Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2007
112 Seiten, über 200 Abbildungen
Format 21 x 29,7 cm
ISBN 978-3-933254-84-9
19,80 Euro

Bezug ausschließlich über den Fach- und Bahnhofsbuchhandel

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Dampf über der altmärkischen Wische

 

Dipl.-Ing. Wolfgang List

Dampf über der altmärkischen Wische

Nur 25 Kilometer Luftlinie entfernt vom Eisenbahnknoten Stendal liegt in nördlicher Richtung eine außerordentlich fruchtbare Niederung, die altmärkische Wische. Diese Landschaft – begrenzt von der Elbe im Osten und Norden sowie von Uchte, Biese und Aland im Westen – zeichnet sich durch schwierige Bodenverhältnisse aus, denn sie ist uraltes Überschwemmungsgebiet der Elbe, im Mittelalter von holländischen Siedlern eingedeicht und kultiviert. Zu DDR-Zeiten wurden die seit Jahrzehnten vernachlässigten Gräben durch das Jugendobjekt „Altmärkische Wische“ wieder funktionsfähig gemacht. Die Wische zählt zu den wenigen in Deutschland, wo vor einhundert Jahren nicht nur die Dampfwolken der Kleinbahnlokomotiven, sondern auch die der Dampfpfluggespanne weithin zu sehen waren.

Die Kleinbahn, die die Wische durchquerte, verband Goldbeck an der Staatsbahnstrecke Stendal - Wittenberge mit Werben an der Elbe. Sie entstand als untergeordnete Eisenbahn aus der Notwendigkeit heraus, das weite flache Land im Osten des damaligen Landkreises Osterburg zwischen der Hauptbahn und der Elbe mangels allwettertauglicher Straßen verkehrstechnisch so zu erschließen, dass ein rentabler Anbau von Zuckerrüben erreicht werden konnte. Die wurden in den Zuckerfabriken in Stendal, Goldbeck, Genthin und Magdeburg weiterverarbeitet. Zur Eröffnung 1882 reichte der Schienenweg als rein private Pferde-Anschlussbahn nur von Goldbeck bis Iden, 1884 bis Giesenslage verlängert. Ab 1898 als Kleinbahn bis Werben ausgebaut, diente er der Bevölkerung als eine bequeme Verbindung der Dörfer mit den Städten. Darüber hinaus bot er mit dem Anschluss an die Hauptbahn die Möglichkeit, Rohprodukte sowie Bau- und Brennstoffe von den Erzeugern in der Ferne zu beziehen und landwirtschaftliche sowie kleinindustrielle Fertigprodukte entfernter liegenden Verbrauchern schnell und kostengünstig zuführen zu können.

Mit den Dampfpflügen wurden der schwere, fruchtbare Boden der Wischeniederung tief umgebrochen, um Zuckerrüben anbauen zu können. Die Abfuhr der Rüben im Herbst war Sache der Kleinbahn. In der Wische kam es nicht selten vor, Dampfpfluggespanne in unmittelbarer Nähe der Kleinbahnstrecke im Einsatz zu sehen.

Am westlichen Rande der Wische liegt Seehausen, eine ehemalige Ackerbürgerstadt, die durch den Kornhandel zu gewissem Wohlstand gekommen war. In Seehausen befand sich Jahrzehnte lang ein Betrieb, in dem die Dampfpfluggespanne repariert wurden. Die Kapazität des Werkes war so groß, dass sogar Maschinen aus der Magdeburger Börde per Bahn an- und abtransportiert wurden.

Der Autor stellt im Teil 1 die geografischen Besonderheiten der Wische vor und erinnert an die großartigen Leistungen der DDR-Jugend. Danach folgt im Teil 2 eine akribisch recherchierte und detailliert dargestellte Geschichte der Kleinbahn Goldbeck – Werben - Elbe mit zahlreichen, zum Teil unveröffentlichten zeitgenössischen Bilddokumenten. Der Teil 3 ist den Dampfpflügen in der Wische gewidmet: Der Bogen spannt sich von der Beschreibung der Bodenbearbeitung mit Dampfkraft über die Einsatzbedingungen bis hin zu persönlichen Erlebnisschilderungen der Maschinisten und Schlosser. Eine Vielzahl bislang unveröffentlichter Bilder gewährt einen Einblick in ein fast vergessenes Kapitel Landwirtschaft.

Dieses Buch, das zusätzlich zu den beiden Bänden "Stendal und die Eisenbahn" geschrieben wurde, ist in der ersten Dezemberwoche 2007 erschienen.

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