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Erinnerungen des Idener Produktionsleiters

Heinz Schneider war von 1955 bis zu seiner Pensionierung Wirtschaftsleiter (später Produktionsleiter) auf dem Volksgut Iden. Zum Pflügen standen dort zwei Dampfpflugsätze mit Hochdruck-Verbundlokomotiven der Firma Heucke/Gatersleben. Der letzte von beiden stammte aus der Zeit um 1948. In Iden wurde letztmalig 1963 per Dampf gepflügt und 1964 diese Technik verschrottet. 

Nach Heinz Schneiders Erinnerungen bestand der Personalbedarf aus jeweils fünf Mann pro Satz. Eventuell musste je nach Witterung Vorspann beim Wasser-/Kohlenfahren geleistet werden. Außerdem war bei Nässe ein weiteres Gespann mit einer Ladung Koppelzaunpfählen zum Vor- und Unterlegen an den Lokomotivenrädern nötig, um die stählernen Kolosse vor dem Einsacken zu bewahren. 

"Die Standfestigkeit solch einer Lokomotive wurde dadurch erhöht, dass die Vorderräder auf die Lauffläche aufschraubbare, etwa acht Zentimeter hohe Winkel erhielten, die gegen den seitlichen Zug abstützten und das Wegdrehen verhinderten. Die etwa zwei Meter im Durchmesser großen und an die 80 Zentimeter breiten Hinterräder erhielten aufschieb- und mit Bolzen durch die Felge feststeckbare Sporne. Die vergrößerten das Profil der Radreifen", erzählte Heinz Schneider.

Eine Lokomotive wog betriebsfähig gute 20 Tonnen. Wenn sie beim Arbeiten auf dem Acker absackte, musste sie sofort wieder herausgezogen werden. Nur eine sicher stehende Lokomotive durfte nachts draußen unbeaufsichtigt stehen bleiben. Vor dem Arbeitsende ist ein Deckfeuer angelegt worden, so dass am anderen Morgen noch Glut in der Feuerkiste war. 

"Bei unseren Hochdruckmaschinen war jährlich eine äußere Revision durch die Technische Überwachung (TÜ) fällig, alle zwei Jahre eine innere Revision, bei der auch die Kessel demontiert wurden, um alle Rohre ziehen zu können", sagte Heinz Schneider. 

Die arbeitstägliche Leistung beim Pflügen der Saatfurche im August betrug fünf bis sechs Hektar bei trockenem Acker. Das reduzierte sich auf zwei bis drei Hektar im Dezember bei nassem Acker. Die Arbeitstiefe betrug bei der Saatfurche 25, bei der Winterfurche 40 Zentimeter. Beim Eggen wurden 20 Hektar bei drei Meter Arbeitsbreite geschafft. 

Heinz Schneider berichtete über den Tagesablauf: "Die Dampfpflüge arbeiteten nur im Hellen wegen der Sichtbarkeit. Der Arbeitstag begann im August gegen 5 Uhr mit dem Ausrücken der Maschinisten, um die Kessel wieder hochzuheizen. Das nächtliche Deckfeuer hatte Glut und geringen Dampfdruck gehalten, so dass gegen 7 Uhr bereits wieder voller Kesseldruck vorhanden war. Dann war auch die restliche Mannschaft auf dem Acker, so dass mit dem Pflügen begonnen werden konnte. Das dauerte bis gegen 15.30 Uhr. Dann wurden die Geräte auf Eggen umgespannt, damit bis zum Abend die großen Kluten beseitigt waren, die sonst am andern Tag eventuell steinhart waren." Im Winter verkürzten sich die Zeiten entsprechend. 

Nach Heinz Schneiders Erinnerung verständigten sich die Maschinisten, deren Maschinen ja einige hundert Meter auseinander standen, mit der Dampfpfeife: "Ein Pfiff hieß 'Anziehen', zwei waren 'Anhalten'. Wurde ein langer Ton gepfiffen, so hieß das 'Alarm/Kommen'."

Um die 150 Tage im Jahr wurde gepflügt und geeggt - etwa ab Ende Juli/Anfang August bis Anfang Dezember und dann wieder im Frühjahr.

Eingesackte Lokomotive
War eine Lokomotive beim Arbeiten eingesackt, musste sie sofort wieder herausgezogen werden.
(Slg. W. List)


Lokomotive und Pflug
Lok und Pflug werden nach der nächtlichen Ruhe zum Pflügen vorbereitet.
(Slg. W. List)


Eggen
Gegen 15.30 Uhr wurden vom Pflug auf Egge umgespannt, damit bis zum Abend die großen Kluten beseitigt waren, die sonst am andern Tag eventuell steinhart waren.
(Slg. W. List)
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