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Schlossermeister Otto Rauch erzählt

Otto Rauch arbeitete im LIA Seehausen von Herbst 1949 bis 1969 als Schlosser. Hier wurden auch Dampfpflüge repariert. "Der Einzugsbereich, aus dem die Dampfpflug-Sätze nach Seehausen kamen, reichte von der Wische bis zur Börde, bis Eilsleben und Staßfurt. Soviel ich mich erinnere, haben wir etwa 15 Sätze betreut", erzählte der Schlossermeister. Er war selbst einige Male als Maschinist zum Pflügen mit hinausgefahren - letztmalig nach Königsmark um 1955/56. "Wir hatten drei Dampfpflug-Sätze für den Einsatzbereich Wendemark/Werben/Rengerslage/Behrendorf/Falkenberg. Unser jüngster Satz stammte von Rheinmetall Düsseldorf. Er wurde so um 1935 gebaut."

Die Lokomotiven galten als Druckbehälter und mussten jährlich einer Druckprobe unterzogen werden.

Otto Rauch erzählte aus dem Werkstatt-Alltag im ehemaligen VEB Landtechnische Industrieanlagen (LIA) Seehausen: "Bei der Heucke mit ihren maximal 21 atü Betriebsdruck wurde die kalte und warme Wasserdruckprobe mit etwa 24 atü ausgeführt. Bei der kleineren Kemna waren es je nach Leistung bis 18 atü Betriebsdruck und demzufolge bis zu 21 atü bei der Druckprobe. Die hat die TÜ Magdeburg abgenommen."

Wenn eine innere Revision durch den Kesselprüfer notwendig war, musste in der Werkstatt die Maschine soweit zerlegt werden, dass alle Rohre gezogen werden konnten.  

Die Lokomotiven kamen im Winter nach Beendigung des Pflügens in die Werkstatt. Alle Reparaturarbeiten mussten bis zum nächsten Saisonbeginn erledigt sein. Dazu wurden die Maschinen in ihre Baugruppen vollständig zerlegt und verschlissene Teile ersetzt.

Die Dampfpflug-Sätze kamen auch aus dem Süden des damaligen Bezirkes Magdeburg per Bahn über die Kopframpe auf dem Seehäuser Güterbahnhof in die Werkstatt. "Nach der Reparatur machten wir auf dem Baarsberger Weg die Probefahrten. Dort wickelten wir auch die Drahtseile auf die Trommeln, indem eine Maschine den Weg ein gutes Stück hochfuhr und dabei das Seil mitnahm. Die andere mit der leeren Seiltrommel stellte sich quer. So konnte sie das straffe Drahtseil sauber in acht Schichten übereinander zu je 12 bis 14 Lagen nebeneinander aufwickeln und vermied dabei ein Verklemmen des Seiles auf der Trommel", erzählte Otto Rauch.

"Zur Bahnverladung fuhren die Lokomotiven später mit eigener Kraft wieder zum Bahnhof bis auf den Waggon. Dann wurde das Feuer gelöscht, das Dach abmontiert und der Schornstein entweder umgelegt (Heucke) oder abgeschraubt (Kemna). Wir mussten die Lokomotiven fest verkeilen und verzurren, damit sie sich nicht selbständig machen konnten."

LIA-Hof
Heucke-Lok im Hof der LIA Seehausen.
(Slg. W. List)


Rauchkammer
Blick in die Rauchkammer. Die Maschine wird einer Revision unterzogen. Dazu wird sie komplett zerlegt.
(Slg. W. List)

Bahnverladung
Die Lokomotiven kamen per Bahn von den landwirtschaftlichen Betrieben im Süden des Bezirkes Magdeburg zur Reparatur nach Seehausen.
(Slg. W. List)
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