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Spitzenerträge im "Minutenboden"

Die Wische war also nicht vom Klimatischen her vorrangig Grünland, sondern weil der Ackerbau so schwierig war. Hier kommt es darauf an, im richtigen Moment mit der Feldarbeit zu beginnen. Wenn dieser verpasst wird, ist kaum noch etwas zu machen. Daher der Begriff "Minutenboden‘". Bei rechtzeitiger Bodenbearbeitung können in der Wische Spitzenerträge erzielt werden. Um aus Wiesen Ackerland machen zu können, mussten sie umgebrochen werden. Für tiefere Furchen als beim Gespannpflug kam rationell nur der Dampfpflug infrage. Der hatte nur einen geringen Bodendruck, denn die schweren Dampflokomotiven standen an den Feldrändern, und nur der Kipp-Pflug an sich wurde per Seilzug über den Acker bewegt.

Weil der Dampfpflug die Bodenbearbeitung ohne Bodenverfestigung erlaubte, hatte schon Philipp Freise auf seinem Mustergut Iden etwa 1000 Hektar Schläge so angelegt, dass die Lokomotiven alle Felder von den Wegen aus bearbeiten konnten. Außerdem hatte das Gut ein komplettes Feldbahnsystem.

Sichere Erträge ließen sich in der Wische mit dem Zuckerrübenanbau, der ein tiefes Pflügen erforderlich machte, erzielen. Das hatte die Einrichtung der Goldbecker Zuckerfabrik zur Folge. Die Kleinbahn Goldbeck - Werben war der Zubringer.

Das Bodenbearbeiten mit dem Dampfpflug hatte dennoch einen großen Nachteil: Der Personalaufwand war enorm hoch. Nötig waren Maschinisten (je Lokomotive einer), zwei Mann auf dem Pflug (ein Pflüger und ein "Schwanzreiter" zum Beschweren des Pfluges) und je ein Wasser- und ein Kohlenfahrer als Gespannführer. Bei der Leistung von acht bis zwölf Hektar pro Tag war das unrentabel. Nach den Dampfpflügen, die nach 1960 mehr und mehr ausgemustert wurden, folgte die kurze Episode mit den Weimar-Seilzugaggregaten "Agronom", die wie ein Panzerfahrgestell mit Führerhaus und aufmontierter Seiltrommel aussahen. Da sie aber nur die Wasser- und Kohlenfahrer einsparten, sonst auch nur auf das Pflügen spezialisiert waren, rentierten sie sich nicht. Außerdem kippten die Aggregate des öfteren um, weil die Seiltrommel zu hoch angebracht war. Später wurden aus der damaligen Sowjetunion Hochleistungsschlepper importiert, die – mit entsprechenden Pflügen gekoppelt – die fünffache Dampfpflugleistung erbrachten.

Der Dampfpflug hatte auch seine Vorteile: Die robuste Technik war wenig störanfällig, die Reparatur war normale Schmiede- und Schlosserarbeit. Allerdings hielten die Drahtseile nur zwei, drei Kampagnen durch, dann waren sie verschlissen. Infolge von Materialermüdung rissen sie desöfteren. Die Mannschaft verstand sich darauf, die gerissenen Seile durch Spleißen zu reparieren.

Pflug
Der Kipp-Pflug wurde per Seilzug über den Acker bewegt.
(Slg. W. List)


Seilzugaggregat
Nach den Dampfpflügen folgte die kurze Episode mit den Weimar-Seilzugaggregaten "Agronom".
(Slg. W. List)
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