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Was ist eine Lokomobile?

 Untrennbar mit den landwirtschaftlichen Arbeiten per Dampfkraft ist die Lokomobile verbunden. Eine "Lokomobile" ist eine "von der Stelle bewegliche", durch Dampf betriebene Kraftmaschine, die mit all ihren Einzelteilen (Kessel, Dampfmaschine, Pumpe usw.) auf einem Fahrgestell möglichst einfach im Aufbau und leicht zugänglich angeordnet war. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Intensivierung der Landwirtschaft einsetzte und Landmaschinen einen geeigneten Antrieb durch Maschinenkraft erforderten, entstand sie aus dem Bedürfnis nach einer universell nutzbaren Kraftquelle, die mit angelerntem Personal zu bedienen war. Ein knappes Jahrhundert lang wurde die Dampfkraft auf dem Lande in Form der Lokomobile genutzt und erst nach und nach vom Elektro- und vom Verbrennungsmotor abgelöst.

Im Verlaufe der Jahrzehnte hat sich die Bauform mit liegendem Röhrenkessel, dessen Konstruktion an den des Lokomotivkessels angelehnt war, durchgesetzt. Eine Feuerkiste enthielt den Rost und wurde durch den Aschkasten mit seinen Luftklappen nach unten abgeschlossen. Von der Feuerkiste ging eine Anzahl Rohre ab, durch die die Rauchgase in die Rauchkammer entwichen. Die Rauchgase gaben ihre Wärme an das Kesselspeisewasser ab, das die Rauchrohre umspülte. Auf der Rauchkammer saß der Schornstein. Mitgerissene Flugasche konnte aus der Rauchkammer durch eine vorn befindliche Tür entfernt werden.

Auf dem Kesselscheitel lag die Dampfmaschine mit ihrem markanten Schwungrad. Je nach Anzahl und Art der Zylinder, die meist in einem Dampfdom oben auf dem Kessel über der Feuerkiste angeordnet waren, gab es Ein- und Zweizylindermaschinen, letztere wieder unterteilt nach Zwillings- und Verbundwirkung. Die Verbundlokomobilen waren sehr sparsam im Brennstoff- und Wasserverbrauch. Beide Bauformen der Zweizylindermaschinen waren bei den Dampfpflug-Lokomobilen üblich.

Seinerzeit wurde nach "Lokomobilen" im engeren Sinne und nach "Straßenlokomotiven" unterschieden.

Lokomobilen waren reine (Dampf-)Motoren und bedurften zu ihrer Fortbewegung fremder Zugkräfte durch Spannvieh (Pferde oder Ochsen). Mit einer durchschnittlichen Leistung von 10 PS dienten sie etwa ein Jahrhundert lang - teilweise bis in die 1950-er Jahre hinein - zum Antrieb der Dresch-, der Kornreinigungs- und der Häckselmaschinen. Aber auch in Fabriken und Handwerksbetrieben gab es diese Antriebsmaschinen: Ziegel- und Torfpressen, Sägegatter und vieles mehr wurden mit solchen Dampfmaschinen betrieben, die dann meist kein Fahrgestell besaßen, sondern stationär aufgebaut waren.

Um die Entwicklung und Produktion derartiger Lokomobilen haben sich in Deutschland Rudolf Wolf in Magdeburg-Buckau und Heinrich Lanz in Mannheim besonders verdient gemacht.

Straßenlokomotiven nutzten das Prinzip des Dampfwagens: Sie setzten über ein Getriebe ihr eigenes Fahrgestell in Bewegung, konnten sich auf der Straße ohne Gleisführung freizügig fortbewegen und dabei auch noch Lasten ziehen. Straßenlokomotiven konnten natürlich wie eine normale Lokomobile auch zum Antrieb von Dreschmaschinen usw. verwendet werden.

Die schwerfällige Straßenlokomotive als reine Zugmaschine - sie wog leer um die 15 Tonnen (1 t = 1 Tonne = 1 000 Kilogramm) - oder mit einer Ladefläche als Lastkraftwagen konnte sich schon um 1900 im Wettlauf mit den wendigen Traktoren und Automobilen mit Verbrennungsmotoren nicht durchsetzen.

Dampfpflug-Lokomobilen  waren Straßenlokomotiven, die zusätzlich eine Seiltrommel unter – manchmal auch neben – dem Kessel trugen. Sie hatten einen Betriebsdruck bis zu 21 atü und leisteten als Verbundmaschine etwa 12 bis 20 PS. 

Wolf-Lokomobile
Lokomobile von Wolf Rudolf Wolf in Magdeburg-Buckau.
(Slg. W. List)


Lanz-Lokomobile
Lokomobile von Heinrich Lanz in Mannheim.
(Slg. W. List)

Lanz-Straßenlok
Straßenlok von Lanz.
(Slg. W. List)
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