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Hersteller von Dampfpflügen

Hier sollen die bekanntesten deutschen Hersteller von Dampfpflugsätzen vorgestellt und soll auch ein Vergleich der von ihnen gebauten Dampfpfluglokomotiven ermöglicht werden.

An dieser Stelle ist Dr. Jürgen Laege aus Haltern ausdrücklich für die Bereitstellung von Schrifttum über einige dieser Firmen zu danken.

HEUCKE

Mit dem Kauf eines Fowler’schen Dampfpflugsatzes begründete Andreas Heucke (? - 1904) im Jahre 1870 in Hausneindorf bei Quedlinburg ein Lohnpfluggeschäft. Das war in der Magdeburger Börde und im Vorharzland sehr erfolgreich tätig, so dass er bald weitere Fowler-Sätze erwarb und einen kleinen Reparaturbetrieb einrichtete, der schrittweise erweitert wurde. Im Jahre 1884 baute Heucke seinen ersten Dampfpflugsatz, bereits 1901 wurde die 100. Pflug-Lokomotive fertiggestellt. Im Jahre 1907 wurde im Nachbarort Gatersleben eine neue Fertigungsstätte bezogen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Heucke schon etwa 200 Maschinen gebaut. Im neuen Betrieb wurden jährlich 24 komplette Dampfpflugsätze ausgeliefert. Das Produktionsprogramm umfaßte Sattdampf- und Heißdampf-Verbundlokomotiven in drei Leistungsgrößen von 16, 18 und 20 PS. Die Heißdampf-Maschinen besaßen einen Rauchkammerüberhitzer, dessen beide Rohrpakete links und rechts an der Rauchkammerinnenwand befestigt waren.

Das Absatzgebiet für Heucke-Dampfpflugsätze umfasste, wie es aus einem Firmenkatalog von 1919 hervorgeht, demzufolge "nicht nur alle Teile Deutschlands, sondern sehr viele anderer Länder, in denen Dampfpflugkultur möglich und vorteilhaft auszuführen ist, wie Oesterreich, Ungarn, Rumänien, Rußland, Italien, Frankreich, Aegypten, Indien, Amerika und Afrika. In allen diesen Ländern haben sich die HEUCKE’schen Dampfpflüge vorzüglich bewährt und anderen überlegen erwiesen."

Es sei hier angemerkt, dass die Firma Heucke bis zum Jahre 1937 ausschließlich Dampfpflugsätze baute und erst dann Fahrzeug-Anhänger mit in das Fertigungsprogramm aufnahm. Der Bau von Dampfpflügen endete 1950. Drei komplette Sätze sollen als Reparationsleistung in die Sowjetunion gegangen sein.

KEMNA

Julius Kemna (1837 - 1898) baute in Breslau eine Maschinenfabrik. Ab 1870 verkaufte er Fowler-Dampfpflugsätze und vermietete sie auch samt Bedienungsmannschaft. 1885 begann er mit der Konstruktion und dem Bau von Straßendampfwalzen nach dem Vorbild von Fowler. Im Jahre 1903 begann in der Firma Kemna der Bau von Dampfpflügen und Straßenlokomotiven. Bahnbrechend galt im Jahre 1908 die Anwendung des Heißdampfes in den Pfluglokomotiven durch Einführung des Schmidt’schen Rauchröhrenüberhitzers. Dafür sicherte sich Kemna das Alleinausführungsrecht. Im Herbst 1908 wurde der erste Heißdampfpflug ausgeliefert. Die Heißdampf-Zwillings-Lokomotiven erfreuten sich bald außerordentlicher Nachfrage. Selbst für die Moor- und Ödlandkultivierung, die nach dem ersten Weltkrieg zunehmend an Bedeutung gewann, wurden spezielle Lösungen abgeboten. Im Jahre 1928 übernahm Kemna die Dampfpflugproduktion von Borsig/Berlin. Bis 1940 wurden noch Dampfpflüge in Breslau gebaut. Die Werksanlagen wurden 1945 völlig zerstört.

VENTZKI

Im Jahre 1898 nahm Zivil-Ingenieur August Ventzki (1856  - 1922) in Graudenz bei Danzig die Produktion von Dampfpflügen auf. Neben der Einführung der stehbolzenlosen Feuerbüchse gelang es Ventzki, die Maschinen ohne erhebliche Leistungsminderung leichter, beweglicher und wartungsfreundlicher zu machen und das Gewicht der Lokomotiven von etwa 20 auf 13,5 Tonnen abzusenken. Weil sie damit noch in der Lage waren, die leichtgängigen Ventzki-Kipp-Pflüge zu ziehen, nicht aber mehr die schwergängigen Typen anderer Hersteller, verschaffte sich Ventzki mit seinem Kleindampfpflug einen Marktvorteil und band die Kunden an seine Produkte. Die Kessel für seine Lokomotiven bezog Ventzki von der Firma Borsig in Berlin-Tegel. August Ventzki baute über 500 Dampfpfluglokomotiven ausschließlich mit 20 PS Leistung, ausziehbarem Röhrenkessel, automatischer Schmierung sich bewegender Teile und mit Speisewasserpumpe unabhängig von der Dampfstrahlpumpe. Die Firma gab im Jahre 1920 den Bau von Dampfpflügen auf.

BORSIG

Die weltbekannte Lokomotivbaufirma Borsig in Berlin-Tegel und die Graudenzer Firma Ventzki pflegten gute Geschäftsbeziehungen und arbeiteten seit 1897 im Dampfpflugbau zusammen: In jenem Jahr baute Borsig seine erste Dampfpfluglokomotive als Naßdampfmaschine mit stehendem Kessel nach Ventzki’schem Patent. Nach der Übernahme der Patente im Jahre 1920 baute Borsig mittelgroße Dampfpfluglokomotiven der bewährten Bauart Ventzki. Sie besaßen einen Kessel mit 15 at Dampfdruck und runder Feuerbüchse in einem ebenfalls runden Stehkessel (ein Patent von Ventzki aus dem Jahre 1913). Vorteilhaft war bei dieser in sich steifen Bauform das Fehlen jeglicher Deckenanker und Stehbolzen. Der Kessel hatte einen Rauchkammer-Gegenstromüberhitzer. Die Zweizylinder-Dampfmaschine arbeitete im Heißdampf-Verbundsystem. Die Weltwirtschaftskrise führte um 1928 dazu, dass Borsig den Dampfpflugbau wieder aufgab und die Firma Kemna die Produktion übernahm.

RHEINMETALL

Die "Rheinmetall Rheinische Metallwaren- & Maschinenfabrik Düsseldorf" bot in ihrem Lieferprogramm neben Dampfstraßenwalzen auch Heißdampfpflugapparate nach dem Zweimaschinensystem in allen Größen und für alle Aufgaben der Bodenkultur an. Die Lokomotiven besaßen einen für Rheinmetall patentierten Rauchröhrenüberhitzer und arbeiteten mit Verbund-Dampfmaschinen. Die leichten und mittleren Dampfpfluglokomotiven konnten für den Einsatz auf Hoch- und Niederungsmooren mit spezieller Moorausrüstung ausgestattet werden, so vor allem mit besonderen Moorrädern, die Dank ihrer enormen Breite das Befahren des Moores zuließen und ein Einsinken verhinderten.

MGH Heilbronn

In der "Maschinenbaugesellschaft Heilbronn" (MGH) wurde im Jahre 1910 die Fertigung von Pfluglokomotiven mit Sattdampfmaschinen in der Zweizylinder-Verbundwirkung mit Heusingersteuerung aufgenommen. Heißdampfmaschinen wurden erst ab 1913 - aber nur auf besonderen Kundenwunsch - ebenfalls als Verbundmaschinen gebaut. Auch ausziehbare Röhrenkessel waren eine Sonderanfertigung. Es gab drei Leistungsgrößen bei den Lokomotiven, deren Kesseldruck 15 at betrug. Auffällig war, dass die MGH ihre Lokomotiven werksseitig mit einem Schutzdach ausstattete, das bis zum Schornstein reichte. Die Drahtseile waren 450 bzw. 500 Meter lang, die in etwa drei Minuten aufgewickelt werden konnten. Bis zum Jahre 1928 wurden 37 Dampfpflugsätze geliefert.

Katalogbild Heucke
Katalogbild einer Heucke-Lokomotive.
(Slg. W. List)


Katalogbild Kemna
Katalogbild einer Kemna-Lokomotive.
(Slg. W. List)

Katalogbild Ventzki
Katalogbild einer Ventzki-Lokomotive.
(Slg. W. List)

Ausziehkessel
Lokomotive von Ventzki mit Ausziehkessel.
(Slg. W. List)

Katalogbild Borsig
Lokomotive aus einem Borsig-Katalog.
(Slg. W. List)

Katalogbild Rheinmetall
Katalogbild einer Rheinmetall-Lokomotive mit Moorrädern.
(Slg. W. List)

Katalogbild Heilbronn
Katalogbild der Maschinenbaugesellschaft Heilbronn. Gut zu erkennen ist die Heusingersteuerung.
(Slg. W. List)
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