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Schaupflügen in Blumenberg

Stundenlang hatte ich mich vor Jahren mit den  Dampfpflug-Männern aus der Wische über die Bodenbearbeitung mit Dampfkraft unterhalten. Am Sonntag, dem 28. Juni 1998, war beim Dampfpflugfest in Blumenberg/Börde die Gelegenheit, selbst einmal die Kolosse in voller Aktion zu erleben. Es handelte sich um den letzten betriebsfähigen Dampfpflugsatz in Deutschland im Besitz des Ausbildungszentrums Schönbrunn im niederbayerischen Landshut. Dazu zählten die beiden Lokomotiven mit den Fabriknummern 743 und 744, die bei Andreas Heucke im Jahre 1928 in Gatersleben/Hausneindorf gebaut wurden. Bis 1960 waren die Maschinen bei der Regensburger Dampfpflug-Gesellschaft eingesetzt. 

Die imponierenden Dimensionen kannte ich schon (im Hinterrad kann ein Mann stehen!) von Ummendorf, Alt Schwerin und Cloppenburg, aber "mit Leben erfüllt" waren die Museumsmaschinen dort schon lange nicht mehr. 

Hier aber war es anders: Die beiden Lokomotiven waren nach getaner Sonnabendsarbeit - das Dampfpflugfest zog sich über das Wochenende hin! - an den Rand des Stoppelfeldes gefahren worden und hatten mit "Ruhe im Feuer" die Nacht hindurch gestanden. Braunschwarzer Qualm wälzte sich aus den hohen Schloten und wurde vom Wind über das Stoppelfeld geweht. Die bayerischen Maschinisten waren emsig dabei, Kohlen zu laden, die Kessel wieder auf Spitzendruck hochzuheizen und die beweglichen Maschinenteile abzuölen.

Tausende Zuschauer hatten sich eingefunden, als gegen 10.30 Uhr laute Pfiffe vom Arbeitsbeginn kündeten. Während die "rechte" Lokomotive nur wenige Meter bis zu ihrem Standplatz am unteren Feldrand fuhr, hatte die "linke" mit Maschinist Peter Geltinger einige hundert Meter zurückzulegen. Schnaufend rumpelte sie über den Stoppelacker, rangierte schwerfällig mit der starren, wie ein Handwagen lenkbaren Vorderachse und stand dann ebenfalls parat. Ein Diesel-Ackerschlepper Lanz "Bulldog" spannte sich vor das Drahtseil, das sauber aufgewickelt auf der Trommel unter dem Kessel lag, und zog es mit seinem markanten, knallenden Auspuffschlag hinüber zum Pflug. Nachdem der Kipp-Pflug beiderseits an die Maschinen-Seile angekuppelt und mit Personal besetzt war, ertönten von drüben zwei lange Pfiffe "Anziehen!".

Peter Geltinger gab Dampf und setzte die Seiltrommel behutsam in Umdrehung. Wer da donnernde Auspuffschläge erwartet hatte, wurde enttäuscht: Die Verbunddampfmaschine röchelte nur, obwohl die Schwungradspeichen schon nicht mehr zu erkennen waren, und eine braunschwarze Qualmfahne, gemischt mit weißem, entspanntem Abdampf, wehte träge über das Feld. Lautlos und wie von Geisterhand gezogen, glitt der Fünfscharpflug über den Stoppelacker heran, eine breite Spur umgebrochenen Bördebodens hinter sich lassend. Der Lenker bemühte sich um gerade Furchen, aber das klappte nicht immer. Noch wenige Meter - dann schloss Peter Geltinger den Regler, und der Pflug kam zum Stehen. 

Der Maschinist rückte mit der Lokomotive um doppelte Arbeitsbreite vor. Lenker und Schwanzreiter zogen die bisher hochstehende Pflughälfte zur Erde nieder, wobei sich die andere Hälfte in die Höhe reckte. Zwei Pfiffe von Peter Geltinger, ein Ruck, und die lautlose "Rückfahrt" des Pfluges begann. Von der jetzt ausgekuppelten Seiltrommel wickelte sich das Drahtseil ab und wurde vom Pflug über den Acker mitgeschleift. Der Maschinist hatte jetzt Zeit, wieder ordentlich "Dampf zu kochen". 

Viele Male wiederholte sich das Wechselspiel vor einer staunenden Zuschauerkulisse...

Zuschauer
Die Lokomotiven riefen großes Interesse der Besucher hervor.
(W. List/1998)

Fahrt zum Arbeitsplatz
Die "linke" Lokomotive mit Maschinist Peter Geltinger auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz.
(W. List/1998)


Dampfmaschine
Blick auf die Verbund-Dampfmaschine.
(W. List/1998)

Bild 300 x ??? (B x H)
Dieser Pflug wurde von den beiden Lokomotiven über den Acker gezogen.
(W. List/1998)
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